Neues Buch von Bischof Benno Elbs skizziert Leitlinien für eine Kirche, die sich mutig den gesellschaftlichen Veränderungen stellt.

Wie soll die Kirche auf die Herausforderungen einer säkularisierten und stark individualisierten Gesellschaft reagieren? Verzagt oder mutig? Ein eindringliches Plädoyer dafür, sich als Kirche „hoffnungsvoll in den Wandel zu stellen“, hat der Feldkircher Bischof Benno Elbs in seinem neuen Buch „Im Stallgeruch der Schafe“ vorgelegt. Ausgehend von einer kritischen Gesellschaftsdiagnose, die die Freiheitspotenziale in der „Multioptionsgesellschaft“ ebenso beleuchtet wie die damit einhergehenden neuen Ausbeutungsverhältnisse und Ungleichheiten, zeigt Elbs auf, dass es auch eine „Erneuerung der Kirche und der Pastoral“ unter dem Leitmotiv „Nähe und Barmherzigkeit“ braucht.

Die Gesellschaft unterliege heute einem „epochalen Wandel“ und einer „atemberaubenden Beschleunigung“. Dies gehe mit einem hohen Maß an persönlicher Freiheit einher, aber zugleich mit neuen Ungleichheiten und einer „Diktatur des Machbaren“, so die Diagnose des Bischofs und ausgebildeten Psychotherapeuten Elbs. Die Kirche sei in dieser Situation gefordert, Räume zu öffnen, in denen „Heilung und Versöhnung“ gelingen könne – denn beides werde heute dringend gebraucht: „Bieten wir solche Orte der Gastfreundschaft, wo Menschen gerne hingehen, wo sie sich aufhalten, wo sie ausruhen können, wo sie ein Obdach finden für ihre Seelen?“

Kriterien einer in diesem Sinne zeitgemäßen Pastoral könne man nicht zuletzt aus der Organisationspsychologie gewinnen, die nicht nur nach dem „Was“ und dem „Wie“ frage, sondern immer auch auf die Reflexion des „Warum“ dränge. Die Chance moderner Pastoral bestehe nicht zuletzt darin, den nach Orientierung suchenden Menschen bei der Beantwortung dieser Frage nach dem „Warum“ zur Seite zu stehen – und dies nicht besserwisserisch, sondern empathisch, zuhörend, wertschätzend, so Elbs: „Pastoral heißt, all diesen Menschen wertschätzend zu begegnen und ihnen zu helfen, ihren je eigenen Lebensweg zu finden.“

Pastorales Bemühen bedeute daher nicht zuletzt ein Bemühen um Übersetzung, d.h. darum, die biblischen Botschaften in den Erfahrungshorizont moderner Menschen zu übersetzen. „Wie kann man Auferstehung heute denken“, so etwa eine der Fragen, die Elbs beispielhaft erörtert: Es gebe vielfältige „Auferstehungserfahrungen“ heute  dies seien Erfahrungen, „in denen Menschen aufgerichtet werden“ und wieder lernen, „aufrecht zu gehen“. In all diesen Zugängen sei es letztlich ein Hinweis auf die Liebe in allem, die sich durchsetzen werde, so Elbs. „Auferstehung ist die Botschaft, dass die Liebe stärker ist als der Tod.“

Neben einer solchen Übersetzungsleistung müsse Kirche – dem Vorbild von Papst Franziskus folgend – stärker „zu den Rändern“ gehen und eine „Mystik der offenen Augen“ praktizieren. Diese Ränder, an denen Dialog, Begegnung und Solidarität gefragt seien, bezeichnete der Bischof als zentrale „Lernorte der Pastoral“. Dem Titel des Buches entsprechend ruft Elbs die eigenen Amtskollegen – Bischöfe, Priester und Laien im kirchlichen Dienst – zu einer „Rückkehr zur Einfachheit“ auf: Es gelte, wieder neu das Zuhören, die Achtsamkeit und die wertschätzende Fürsorge für den Menschen zu lernen. Bischöfe sollten demnach keine „Büroleiter“, sondern ganz nah bei den Menschen sein: „Nichts ist fataler und destruktiver als die Einstellung, anderen 'Wasser' zu predigen und selbst 'Wein' zu trinken“.

Im Stallgeruch der Schafe

Das Buch „Im Stallgeruch der Schafe. Wege pastoraler Arbeit im 3. Jahrtausend“ ist im Styria-Verlag erschienen und kostet 19,99 Euro.

aus: Kathpress, 27.8.2014

 

Wie ein leises Berühren

Gottes Spuren im Alltag
Ein spiritueller Begleiter durch das Jahr

Cover Wie ein leises Berühren

Unter diesen Titel ist ein weiteres Buch von Bischof Benno Elbs im Tyrolia Verlag erschienen.

In der Geschäftigkeit des Alltags ist es schwierig, Gott wahrzunehmen. Wir sind oft Getriebene, die von einem Termin zum anderen hetzen und in unseren Gewohnheiten verstrickt sind. Dieses Jahreslesebuch hilft, den eigenen Horizont zu weiten und dort die Gegenwart Gottes zu erkennen. Bischof Benno Elbs begibt sich mit seinen Beiträgen auf diese Spurensuche, bringt die Feste des Kirchenjahres und biblische Texte näher und ermutigt durch viele Beispiele aus seiner seelsorglichen und psychotherapeutischen Erfahrung. Die meisten Beiträge sind im Laufe vieler Jahre als „Gedanken zum Sonntag“ in den Vorarlberger Nachrichten erschienen und wurden für die Veröffentlichung leicht überarbeitet.

Ein spiritueller Begleiter mit meditativen Farbbildern, der anregt und bestärkt. Preis € 17,95

 

 Präsentationstermine der beiden Bücher:

_ Do 23. Oktober, 19 Uhr, Landwirtschaftsschule Hohenems, Scheune im Rheinhof
_ Do 30. Oktober, 19.30 Uhr, Innsbruck, Tyrolia Buchhandlung, Maria-Theresienstrasse 15
_ Do 6. November, 19 Uhr, Wien, Palais Lobkowitz

Lesungen mit Bischof Elbs:
_ Mi 3. Dezember, 19.30 Uhr, Bludenz, Pfarrsaal Hl. Kreuz
_ Do 4. Dezember, 17.30 Uhr, Bregenz, Buchhandlung Arche - Haus der Kirche