Liebe Schwestern und Brüder im Glauben!

Bischof Elmar FischerVor kurzem haben wir den Abschluss unseres Pastoralgesprächs gefeiert. Zweieinhalb Jahre des Lernens und Entdeckens liegen hinter uns. Vor uns liegt ein Weg der Veränderungen, der innerhalb der nächsten Jahre jede Pfarrgemeinde betreffen wird. Die Segel sind gesetzt. Jetzt gilt es, den Wind der Veränderung im Sinne des Zweiten Vatikanischen Konzils für gute nächste Schritte zu nützen. An diesem Punkt des Aufbruchs wende ich mich mit diesem Brief an Euch, um Euch zu informieren und meine Zuversicht mit Euch zu teilen.

„Gut, dass es in unserem Ort eine Pfarrgemeinde gibt!“. Diesen Satz höre ich in Gesprächen des öfteren. Deshalb hat mein Brief zur Vorbereitung des Osterfestes darüber gehandelt. Er ist sehr berechtigt, wenn wir überlegen, welchen unschätzbaren Reichtum das pfarrliche Leben birgt. Ich denke dabei an die gepflegten Kirchenräume und die Gottesdienste, die den Orten und der Zeit eine Mitte geben; an das Kirchenjahr, die Feier der Eucharistie und der Sakramente. Jesus Christus und seine Botschaft wirkt durch viele Initiativen im Leben der Pfarre, stärkt den Zusammenhalt und das kulturelle Leben in vielfältiger Weise. In der Freude und in den Leiden unseres Lebens gibt Jesus Christus Ausrichtung, Orientierung. Wie viele schöpfen aus der inneren lebendigen Beziehung zu Gott, der uns Vater ist, Kraft für ihren Einsatz in Familie, Beruf und Öffentlichkeit. All das sind Zeichen und Werkzeuge der Hoffnung, der aufbauenden Lebenshaltung aus dem Geist Christi. Deshalb ist es angebracht, die Pfarre als Seele der Gemeinde zu bezeichnen.

Das ist heute so und soll künftig so sein, wenn auch manches anders werden wird. Der Weg, den Gott uns gegenwärtig führt, ist auch ein Weg der Veränderungen. Das ist für uns herausfordernd und spannend zugleich. Gerne will ich drei Einsichten des Pastoralgesprächs mit Ihnen teilen.

Erstens: Im Blick auf die vor uns liegenden Wege wünsche ich uns, dass wir Hörende, Vertrauende und Empfangende sein können.

Der sicherste Anker in den Wogen der Veränderungen ist das Hören. Für Euch als Pfarrgemeinde ist das ein doppeltes Hören: nämlich das Hören auf das, wozu die konkreten Situationen und Vorkommnisse am Ort Euch herausfordern, und das Hören auf die Botschaft Jesu. In diesem Hören wird sich der Weg in die Zukunft Schritt für Schritt zeigen.

Eine wichtige Voraussetzung, um die Wege der Veränderung gut gehen zu können, ist die innere Freiheit, in der man auch Gewohntes, Althergebrachtes loslassen und sich der Gegenwart wirklich stellen kann. Diese innere Freiheit lebt letztlich aus dem Vertrauen, dass Gott seine Geschichte mit der Kirche und den Menschen gerade auf den Wegen schreibt, die uns jetzt zugemutet sind.

Entscheidend wird nämlich sein, dass die Pfarre aus dem Engagement der Glaubenden ihre Lebendigkeit aufrecht hält. Zahlreiche Aufgaben warten auf die Bereitschaft, sie mit innerem Engagement zu erfüllen. So manches – je nach Pfarre unterschiedlich – wird neu aufgeteilt werden. Da hoffe ich auf Mitdenken und die Bereitschaft zur Mitgestaltung aus der Wertschätzung für die Reichtümer, die der Glaube uns schenkt.

Manche Entwicklung konfrontiert uns auch mit der Erfahrung der Ohnmacht. Gerade in dieser Erfahrung der Ohnmacht geschieht aber oftmals auch ein Neubeginn, weil wir in der Ohnmacht zu empfangenden Menschen werden. Diese Haltung des Empfangens wird für die Zukunftswege der Pfarrgemeinden von großer Bedeutung sein. In diesem Sinn will ich Euch auch ermutigen, die Wege unserer Pfarrgemeinden im Gebet zu begleiten.

Zweitens: Die Kraft einer Pfarrgemeinde wird das lebendige Gott-Vertrauen sein.

Die nachhaltigste Veränderung sehe ich darin, dass die frühere Selbstverständlichkeit, aus der heraus sich mehr oder weniger alle am pfarrgemeindlichen Leben beteiligt haben, verflossen ist. Wer heute am gemeindlichen Leben teilnimmt und es auf je seine Weise mitträgt – so wie Ihr, liebe Mitfeiernde in diesem Gottesdienst –, tut das freiwillig und weil sie bzw. er die Botschaft Jesu als bedeutsam erfahren hat. Darin zeigt sich der wichtigste Wegweiser in die Zukunft. Menschen, ob jung oder alt, die mit der Pfarre in
Kontakt kommen, sollen auf Herzensgüte und auf Gott-Vertrauen stoßen, d. h. auf unser Vertrauen in die liebende Gegenwart Gottes im Leben eines jeden Menschen und auf unser Vertrauen in die Kraft der Botschaft Jesu. Aus diesem Vertrauen schöpfe ich auch die Zuversicht, dass auch künftig Menschen in der Kirche Heimat finden und Verantwortung für das pfarrgemeindliche Leben übernehmen werden. Gelingt es uns, Jesu Wort als frohe Botschaft für unser Menschsein zu leben, wird dies einen einladenden und förderlichen Rahmen für ihr Engagement bieten.

Drittens: Es braucht auch strukturelle Veränderungen.

Die genannten Entwicklungen gehen mit notwendigen strukturellen Veränderungen einher. Teils sind diese durch den zunehmenden Priestermangel erzwungen, teils sind sie erforderlich, um unserem Auftrag als Kirche besser nachkommen zu können. Es geht ja darum, in allem Bemühen um den Glauben, die Befähigung zur Liebe, wie Christus sie uns als zentrale Entfaltungseinladung vorgelebt hat (Jo 15, 12, Mk 12, 28 ff.), den Menschen nahe zu bringen. Neben einigen Einzelpfarren werden viele unserer Pfarrgemeinden künftig in Pfarrverbänden zusammenarbeiten. In den städtischen Lebensräumen sind sogenannte „Seelsorgeräume“ geplant. Die ersten Pfarrverbände werden im September errichtet, zugleich starten fünf Entwicklungsprozesse in Richtung von Seelsorgeräumen. In den nächsten vier bis fünf Jahren werden die neuen Strukturen in der gesamten Diözese realisiert werden.

Ein bedeutsamer Schritt wird auch die Einführung eines „Pastoral-Teams“ in jeder Pfarrgemeinde sein. Dessen Aufgabe wird es sein, achtsam hörend das pfarrliche Leben zu koordinieren und zu fördern. Diese Pastoralteams werden sich im Zusammenhang mit der nächsten Pfarrgemeinderatswahlen im März 2012 bilden.

Im Glauben, dass Gott, der das Ziel aller Wege ist, unser Gebet und unsere Bemühungen begleitet und formt, verbleibe ich mit der Bitte um seinen Segen und in großer Dankbarkeit für Euer Engagement.

Feldkirch, am 15. Mai 2011

Bischof Elmar Fischer

Von Hannes Mäser veröffentlicht am 13.05.2011

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