Mit einem Hirtenbrief der in den Gottesdiensten am 20. und 21. März 2010 verlesen wird, wendet sich Bischof Elmar Fischer an die Gemeinden.

 

Liebe Gläubige!

Ich wende mich an Sie in einer schweren Zeit, in der Enthüllungen über sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch Ordensleute und Priester die Kirche erschüttern. Die Situation ist beschämend und bedrückend. Viel Vertrauen in die Kirche geht in diesen Wochen verloren. Auch ist in dieser Situation der Blick verstellt auf all das Gute und Schöne, das es in der Kirche gibt und zu dem vor allem auch Sie beitragen, indem Sie sich am kirchlichen Leben vor Ort in Ihrer Pfarrgemeinde beteiligen.

Zwischenzeitlich werden auch gegen meine Person Vorwürfe erhoben. Mir wird vorgeworfen, dass ich Mitte der 60er Jahre einen 15-Jährigen geschlagen hätte. Ich erinnere mich an eine von diesem Vorwurf unabhängige Situation, in der ich einem Jugendlichen eine Ohrfeige gegeben habe. Dies ist mit ihm unmittelbar bereinigt worden. Ich kann besten Gewissens sagen, dass ich bereits damals jegliche Form körperlicher Übergriffe abgelehnt habe. Dass das nun in den Zusammenhang von sexuellen Missbrauchshandlungen gestellt wird, zeigt meines Erachtens, wie ungenau und verallgemeinernd hier vorgegangen wird.

Jedes Missbrauchs- und Gewaltdelikt in der Kirche macht mich betroffen und ich bitte die Opfer um Vergebung. Ich wünsche mir von Herzen, dass all dieses Unrecht aufgeklärt und aufgearbeitet wird. Es darf hier keine falsche Rücksichtnahme geben. Ich versichere Ihnen, dass wir alles tun, um den Opfern zu helfen, und dass wir mit aller Kraft und in Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen an vorbeugenden Maßnahmen arbeiten, um solche Vorkommnisse künftig zu verhindern.

Papst Benedikt XVI. hat bei der Ankündigung seines Pastoralbriefs an die Katholiken und Katholikinnen Irlands von seiner Hoffnung auf einen „Prozess der Reue, der Heilung und der Erneuerung“ in der Kirche gesprochen. Gerne teile ich diese Hoffnung. Es braucht in der Kirche einen Prozess der Erneuerung. Ich zähle und hoffe dabei auf Ihre Bereitschaft mitzudenken und mitzugestalten. Wir werden diesen Weg nur gemeinsam gehen können.

Ich danke allen Priestern, den Ordensleuten, allen Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen, die sich in der Kirche in den verschiedenen Bereichen engagieren: zum Beispiel in der Pfarre, im sozialen Bereich und im Religionsunterricht. Ich bedaure, dass Sie alle den Kopf hinhalten müssen für Fehler, die nicht Sie begangen haben und für die Sie nichts können.

Und nicht zuletzt danke ich Ihnen hier im Gottesdienst, dass Sie weiterhin zu Ihrer Kirche stehen, ich danke für Ihre Geduld und für jedes gute Wort, für das Bemühen um ein Klima des Vertrauens und der Wahrhaftigkeit und für Ihr Gebet.

 

+ Elmar Fischer
Bischof von Feldkirch

Feldkirch, am 19. März 2010

Von Hannes Mäser veröffentlicht am 20.03.2010

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