Gedanken zu Pfingsten von Bischof Benno Elbs

„Habt ihr den Heiligen Geist empfangen, als ihr gläubig wurdet“, fragte der Apostel Paulus, als er auf seinen Reisen nach Ephesus kam. Er bekam die nüchterne Antwort: „Wir haben noch nicht einmal gehört, dass es einen Heiligen Geist gibt.“ (Apg 19,2).

Das könnte ebenso auch heute gewesen sein. Der heilige Geist, das ist für viele ein unbekanntes Wesen, ein fremder Gott. Was ist denn das eigentlich: Heiliger Geist?
Dabei können wir täglich tausend Gesichter des Geistes Gottes erleben und erfahren. Wenn Gott die Liebe ist, dann zeigt sich sein Wesen, sein Geist in Spuren der Liebe in unserem Leben.
Der Geist ist dort, wo aus Angst Mut wird, wo ein Mensch den Mut hat, seinem Herzen zu folgen und sich nicht durch die Bedenken seiner Umgebung lähmen lässt.
Der Geist Gottes ist dort, wo Menschen Kraft finden im Einsatz für eine bessere Welt.
Der Geist Gottes ist dort, wo Menschen Brücken zueinander bauen – Brücken des Vertrauens zu Menschen auf der Flucht, zu Menschen, die anders sind als wir.
Der Geist Gottes wird sichtbar, wo Menschen andere besuchen, die allein sind oder sich zurückgezogen haben in eine Melancholie und Traurigkeit.
Der Geist Gottes ist dort, wo Menschen für andere beten. Ein Netzwerk der Solidarität und der Wertschätzung entsteht, wenn wir an andere denken und sie mittragen mit guten Gedanken und heilenden Worten.
Der Geist Gottes ist dort, wo ein Mensch wie Bischof Oscar Romero, der sich für soziale Gerechtigkeit und gegen Ausbeutung von Menschen, von Natur, gegen Folter und Diktatur gestellt hat, selig gesprochen wird.

Es gibt tausend Gesichter des Geistes. Pfingsten ereignet sich dort, wo sich der Geist der Liebe durchsetzt, wie es im Brief an die Gemeinde der Galater heißt: „Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung“ (Gal 5,22f).
Wenn dieser Geist die Herzen von Menschen berührt, wird sich das Angesicht der Erde erneuern. Dann ist Pfingsten in meinem persönlichen Leben, in der Gemeinde, in unserem Land und auf der Welt. Diesen Geist von Pfingsten wünsche ich uns allen.

Bischof Benno Elbs