Gedanken zu Fronleichnam von Diözesanbischof Benno Elbs.

Das Leben schreibt viele Geschichten. Die Fußball-Weltmeisterschaft führt uns zur Zeit jeden Tag neu vor Augen, wie nahe beisammen Sieg und Niederlage liegen. Heute Jubel, morgen Enttäuschung – des einen Freud, des anderen Leid.

Auch unser alltägliches Leben produziert Gewinner und Verlierer. Die einen bringen mit großer Freude ein Kind zur Taufe, andere gehen einen schweren Weg nach einer lebensbedrohlichen Diagnose. Die einen freuen sich über eine sinnvolle Arbeit, andere sorgen sich um ihren Arbeitsplatz oder werden sogar ausgegrenzt und gemobbt. Die einen leben in einer Region des Friedens, andere bangen in Situationen des Krieges und des Terrors um das Leben ihrer Kinder und ihrer Familien. Die einen dürfen sagen, “hier bin ich daheim”, andere haben kein Zuhause und sehen in der Flucht die einzige Möglichkeit für ein Überleben. Die einen leben im Wohlstand, andere in Angst und Sorge, wie sie morgen ihre Familie ernähren können. Das Leben schreibt viele Geschichten, in der Welt und auch hier in unserem Land.

Die Botschaft des Fronleichnamsfestes heißt gerade dann: Gott geht alle diese Wege mit. Wenn wir die Monstranz durch die Straßen unserer Orte und Städte tragen, wie das seit Jahrhunderten Tradition ist, dann stellt das in einer wunderbaren Liturgie die große Zusage Jesu dar: Seid gewiss und seid ohne Angst, ich bin bei euch alle Tage, bis zum Ende der Welt.

Es gibt vielerlei Menschen im Umkreis einer Fronleichnamsprozession. Es gibt jene, die mitgehen, die mitbeten, die mitsingen, solche die gestaltend mitwirken. Es gibt andere, die das Geschehen am Rande beobachten. Und wiederum gibt es jene, die sich nur von weitem dem Geschehen nähern. Je nach Lebenssituation stehen wir ferner oder näher diesem Geheimnis des Glaubens. Doch eines ist ganz gewiss: Gott geht alle Wege der Menschen mit.

Wenn wir an Fronleichnam Jesus als Brot des Lebens in der Monstranz durch die Dörfer und Städte tragen, bringt das auch zum Ausdruck: Wir alle können und sollen zu einer „Monstranz“ werden, zum Beispiel wenn wir an die Ränder der Existenz gehen, wenn wir die Wege anderer Menschen mitgehen und mittragen. Die Welt braucht heute Menschen, die Wunden heilen und die Herzen der Menschen wärmen. Sie braucht Menschen, die mit Freude und mit Bescheidenheit die Botschaft leben: Gott geht alle deine Wege mit.

Benno Elbs
Diözesanbischof