Rom - Montag 19. Oktober 2015

Die Gespräche werden jetzt anstrengender in der letzten Woche. Es sind vor allem die kritischen Fragen noch zu beraten, die in den Umfragen vor der Synode angesprochen wurden. Etwas müde stehe ich am Empfang meiner Unterkunft im Domus Sancta Marta und Papst Franziskus kommt vorbei und fragt, wie es geht. „Ein bisschen müde“, war meine Antwort. Darauf meinte der Papst, es sei wie bei einer Bergtour, wir müssen weiter gehen bis zum Gipfel.

Ich verbringe den Abend ein wenig auf dem Petersplatz, bete noch den Rosenkranz und gehe den Gedanken etwas nach, die heute in der Arbeitsgruppe ausgetauscht wurden. Unweigerlich kommt mir die wegweisende Festansprache von Papst Franziskus anlässlich des Synodenjubiläums vom Samstag in den Sinn: Kirche und Synode sind für Papst Franziskus Synonyme. Kirche sein heißt, aufeinander hören im Bewusstsein, dass wir miteinander unterwegs sind, die Menschen, die Priester, die Bischöfe, der Papst. Jeder getaufte Mensch ist unabhängig von seiner Funktion in der Kirche und dem Bildungsniveau seines Glaubens aktiver Träger der Evangelisierung (Evangelii Gaudium 120).

Bei diesem Gedanken geht mein Blick auf eine Gruppe von etwa 18-jährigen Jugendlichen, die am Petersplatz auf dem Boden sitzen und einen meditativen Gottesdienst miteinander feiern. Zwei Dutzend werden es gewesen sein. Gelingt es der Synode, auf junge Menschen wie diese zu hören? Es wird mir bewusst, dass die Theorie hier einfacher ist als die Praxis. Und doch, daran entscheidet sich die Bedeutung der Kirche für die Welt. Ein Hirte, der sich nicht niederbückt vor dem „heiligen Boden eines Menschen“ (Evangelii Gaudium 169), wird dessen Herz nicht berühren. Ich gehe zurück in mein Quartier und bete dafür, dass dieses Hören gelingt.

Bischof Benno Elbs