Wir kennen sie alle, sind wir doch mit dem heiligen Nikolaus groß geworden. Doch wie entsteht diese Kopfbedeckung, die von besonderem Amt zeugt? Die Schwestern von Mariastern-Gwiggen geben Einblick.

Patricia Begle

Die Paramentik, die Werkstatt für liturgische Textilien, umfasst in der Zisterzienserinnen-Abtei den Arbeiten entsprechend vier Räume - einen für Besprechungen der Entwürfe mit der Kundschaft, zwei zum Sticken und einen zum Nähen. Abgesehen vom Besprechungsraum sind die Räume für Außenstehende tabu, denn die Schwestern leben in Klausur. Heute jedoch öffnen sie die Türen und ermöglichen den Eintritt in eine besondere Welt.

Der Träger

Die Mitra ist ein Geschenk des Klosters an den neuen Bischof. Seit vielen Jahren schon pflegt er freundschaftlichen Kontakt mit der Gemeinschaft, ist dort für Gespräche, liturgische Feiern oder Feste. Dadurch kommt seine Wertschätzung des kontemplativen Lebens zum Ausdruck. Diese persönliche Verbundenheit mit dem Mitraträger macht das Arbeiten an der Bischofsmütze für die Schwestern zu etwas ganz Besonderem.

Der Entwurf

Da die Paramentik in Gwiggen die einzige in Vorarlberg ist, die Mitren herstellt, war es naheliegend, dass der Auftrag für die Bischofsmitra hierher kommt. „Ich habe längere Zeit um einen guten Entwurf gebetet“, erzählt Sr. Columba. Als es dann so weit war und Benno Elbs das Geschenk annahm, war der Entwurf in zwei Tagen kreiert. Er verbindet zwei Symbole: das Kreuz von Carl Lampert und den Weinstock.

Verbundenheit

Entstanden ist ein Symbol, das seine ganze Tiefe erst im langen Betrachten freigibt, spricht es doch von Wachstum und Lebendigkeit, von Standhaftigkeit und Tod und vom Kreuzesbaum, der zum Lebensbaum wird. Es umfängt - so wie Kreuz und Weinstock einander umfangen - alle Ebenen menschlichen Lebens. Vor allem aber bringt es jenes Fundament zum Ausdruck, auf das Benno Elbs baut: die Verbundenheit mit Jesus Christus.

Sticken

„Ich empfinde es als Geschenk, wenn der Entwurf dem Beschenkten gefällt“, freut sich Sr. Columba. Die weiteren Schritte zur Mitra sind den beiden Schwestern sehr vertraut - immerhin arbeiten sie schon rund drei Jahrzehnte in der Paramentik. Der Entwurf wird mit Bleistift auf Pergamentpapier übertragen und mit einer Nadel den Linien entlang gelöchert. Hierauf wird er auf den Seidenstoff aufgelegt. Mittels eines Schwammes, der mit einer farbigen Paste getränkt ist, wird über den Entwurf gerieben, sodass die Farbe durch die Löcher auf den Stoff dringt. Dann werden die Linien bestickt. Anlegetechnik heißt das Verfahren. Dabei werden die Fäden, die mit Japangold umwickelt sind, auf die vorgezeichneten Linien gelegt und festgestickt. Ist ein Faden zu Ende, wird er auf die Rückseite geführt und abgeschnitten. Am Ende wird die Rückseite dann verklebt.

Wirkung

„Ich mache das Sticken sehr, sehr gerne“, erzählt Sr. M. Gratia. „Ich kann dabei die Stille genießen, die Arbeit ist meditativ und kreativ, ich bekomme den Kopf frei.“ Dabei hat das Bild, das gestickt wird, auch eine Wirkung auf die Stickerin. „Das macht was mit mir. Manchmal ist es, als ob Carl Lampert selber gegenwärtig wäre.“ Auch für Benno Elbs wird die Mitra eine Wirkung haben. Sie besteht nicht nur darin, „dass er durch die Kopfbedeckung erhabener ist. Er stellt sich unter das Lampert-Kreuz. Er hat ihn sozusagen immer mit sich“, überlegt Sr. M. Gratia.

Tragegefühl

Damit das Stück Stoff dann auch steht, wird es über einen säurefreien Karton gezogen. Ein mit Wattlin gefüttertes Häubchen wird innen hineingenäht, damit sie gut und angenehm zu tragen ist. Oben bildet ein Seidenfutter den Abschluss. Das alles ist noch zu tun, bevor die Mitra bei der Weihe in ihr „Amt“ eingeführt wird.