Zum Ad-limina-Besuch werden die Bischöfe in der Regel alle fünf Jahre nach Rom gerufen, um über das Leben in ihren Diözesen Bericht zu erstatten. Und Papst Franziskus, der entließ die Bischöfe mit einem klaren Auftrag: „Avanti!“

Ad limina - hergeleitet von „visitatio ad limina apostolorum“ also dem Besuch bei den Türschwellen der Apostel Petrus und Paulus - bedeutet nichts anderes, als dass sich die Bischöfe mindestens alle fünf Jahre in Rom einfinden und dem Papst die jeweilige Situation in ihren Diözesen schildern.

„Geht voran“

Als ein Update würde man es eventuell im Neudeutschen bezeichnen, ein Update, aus dem die österreichischen Bischöfe mit einem klaren päpstlichen Auftrag herausgingen: „Avanti“ im Sinne eines „Geht voran“, als Ermutigung für den Einsatz für die Menschenwürde und eines Wachrüttelns des öffentlichen Gewissens.
Dermaßen gestärkt aber auch gefordert kehrten die österreichischen Bischöfe am vergangenen Wochenende aus Rom zurück. Und das Erlebnis, die gemachten Erfahrungen wirken weiter. „Den Ad-limina-Besuch möchte ich auf zwei Ebenen, die miteinander in Kontakt sein müssen, als Aufgabe wach halten. Die erste Ebene ist die Faktische. Dazu zählt unter anderem das Gespräch, das wir mit Papst Franziskus über die drängenden Fragen und auch Probleme in unseren Diözesen führen konnten. Wir haben uns beispielsweise intensiv über die Situation der Geschieden-Wiederverheirateten unterhalten, über die Differenzen zwischen Lehre und gelebtem Leben, wie sie in der Umfrage zur Ehe- und Familienpastoral deutlich wurden oder haben auch die pastoralen Herausforderungen angesprochen, die unter anderem mit den Stadtprozessen auf uns zukommen werden.“ Das ist das eine.

Aus der Kraft des Evangeliums

„Das andere ist die Person des Papstes selbst. Die Authentizität und gleichzeitig die Entschiedenheit, die hinter jeder Geste, jedem Wort von Papst Franziskus steht, ist beeindruckend. Papst Franziskus zeigt, wie sehr sich ein Handeln, dessen Kraft sich aus den Worten des Evangeliums speist, vom Handeln, das sich andere Orientierungspunkte setzt, unterscheidet. Ich meine damit eine grundlegend menschliche Haltung, die das große Ganze ebenso wie den einzelnem Menschen sieht und allein aus der Liebe handelt. Im Zentrum steht immer Jesus Christus“, erzählt Bischof Benno Elbs nach seiner Rückkehr im Gespräch mit dem KirchenBlatt.

Keine leeren Worte

Und was ändert sich nun, ist man versucht zu fragen. Ändert sich überhaupt etwas? Ja, lautet die Antwort. Es ändert sich definitiv etwas und es hat längst begonnen. Mit einer veränderten Grundstimmung. „Wenn Papst Franziskus davon spricht, dass wir Bischöfe bei den Menschen sein sollen - und er hat diese Aufforderung bei unserem Besuch in Rom erneut wiederholt - dann sind das keine leeren Worthülsen. Es sind der Dialog und die Kontaktaufnahme, die Papst Franziskus entsprechen. Er selbst zeigt, dass es möglich und nötig ist. In diesem Zusammenhang bleiben mir die Bilder in Erinnerung, wie Papst Franziskus durch den Speisesaal im Gästehaus Santa Martha, in dem auch wir untergebracht waren, ging, sich setzte und gemeinsam mit den Gästen aß. Es gibt da keine Berührungsängste, keine hierarchische Entrücktheit. Papst Franziskus ist wirklich unter den Menschen und interessiert an ihren Fragen, Problemen, Hoffnungen und Meinungen“, fasst Bischof Benno Elbs diese grundsätzliche Haltung in Worte und Erinnerungen. Mit dieser Veränderung im Kleinen ist vielleicht schon ein großer Anfang gemacht.

Sich nicht verstecken

Es waren dann auch Ermutigungen, die Papst Franziskus seinen Bischöfen mit auf den Heimweg in ihre Diözesen, zu ihren jeweiligen Aufgaben gab: „Wir dürfen Gott dankbar sein für das, was die Kirche in Österreich zum Heil der Gläubigen und zum Wohl vieler Menschen wirkt, und ich selber möchte jedem von Euch und durch Euch den Priestern, Diakonen, Ordensleuten und engagierten Laien, die bereitwillig und großherzig im Weinberg des Herrn arbeiten, meinen Dank aussprechen. Wir dürfen aber nicht das Erreichte und Vorhandene bloß verwalten, das Feld Gottes muss ständig bearbeitet und bestellt werden, damit es auch in Zukunft Frucht bringt. Kirche sein heißt nicht verwalten, sondern hinausgehen, missionarisch sein, den Menschen das Licht des Glaubens und die Freude des Evangeliums bringen. Vergessen wir nicht, dass die Triebfeder unseres Einsatzes als Christen in der Welt nicht die Idee einer Menschenfreundlichkeit, eines unbestimmten Humanismus ist, sondern eine Gabe Gottes, nämlich das Geschenk der Gotteskindschaft, die wir in der Taufe erhalten haben. Und diese Gabe ist zugleich ein Auftrag. Kinder Gottes verstecken sich nicht, sie tragen die Freude ihrer Gotteskindschaft in die Welt hinaus“, so wandte sich Papst Franziskus an die Bischöfe und betonte weiter, dass die Versöhnung und die fortlaufende Reinigung der Kirche zentrale Aufgaben darstellen.

Immer um Versöhnung bemühen

„Sicher, ,die Kirche umfasst Sünder in ihrem eigenen Schoß‘, wie es das Zweite Vatikanische Konzil formuliert (Lumen gentium, 8). Aber das Konzil sagt an der gleichen Stelle, dass wir uns nicht mit der Sünde abfinden sollen, dass nämlich ,Ecclesia sancta simul et semper purificanda‘, die heilige Kirche immer wieder zu reinigen ist. Und das heißt, dass wir um unsere eigene Reinigung - im Sakrament der Versöhnung - stets bemüht sein sollten.“ Ausgehend von der Frage der Familien, die Papst Franziskus gerade in der westlichen Welt in einem Spannungsverhältnis von Glaubensweitergabe, gemeinsamem Lernen und immer brüchiger werdenden Strukturen sieht, spannte sich so der Bogen von der Familie zu den Pfarrgemeinden.

Der Ruf Gottes

„Die Priester, die Pfarrer sollten sich immer wieder bewusst machen, dass ihre Leitungsaufgabe ein zutiefst geistlicher Dienst ist. (...) In unseren Städten und Dörfern gibt es mutige und schüchterne Menschen, gibt es missionarische und schlafende Christen. Und es gibt die vielen, die auf der Suche sind, auch wenn sie es sich nicht eingestehen. Jeder ist gerufen, jeder ist gesandt. Aber es ist nicht gesagt, dass der Ort dieses Rufs nur das Pfarrzentrum ist. (...) Der Ruf Gottes kann uns genauso erreichen am Fließband und im Büro, im Supermarkt, im Stiegenhaus, also an den Orten des alltäglichen Lebens.“