„Christen und Muslime“ war das Thema eines „dies facultatis und Diözesantag“, zu dem Diözese Innsbruck, Universität Innsbruck und die Islamische Religionsgemeinde Innsbruck am Montag, 27. April 2015, an die Theologische Fakultät Innsbruck einluden. Anlass war die Feier des Diözesanpatrons Petrus Canisius (1521-1597).

Gilbert Rosenkranz

Im Bild: Univ.-Prof. Dr. Zekirija Sejdini, Bischof Dr. Manfred Scheuer, Bischof Dr. Benno Elbs (Feldkirch) und Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Palaver (Dekan der Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck).

Als Vertreter der beiden Religionsgemeinschaften nahmen von christlicher Seite unter anderem Bischof Dr. Manfred Scheuer (Innsbruck) und der Referent für Weltreligionen der Österreichischen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Benno Elbs  (Feldkirch), sowie der Senior der evangelischen Kirche Salzburg-Tirol, Senior Mag. Lars Müller-Marienburg, teil. Die Muslime waren vertreten durch den Vorsitzenden der Tiroler Islamischen Religionsgemeinde, Burhan Türkmen, sowie den Professor für Islamische Religionspädagogik an der Universität Innsbruck, Univ.-Prof. Dr. Zekirija Sejdini. Dieser ging in seinem Grußwort auf die vielen Berichte über Zerstörung, Gewalt, Fanatismus und Fundamentalismus im bzw. von Seiten des Islam ein. Versuche, den Islam als Religion der Gewalt darzustellen, deutete er als Versuche, Religionen insgesamt in Misskredit zu bringen. Gerade auf diesem Hintergrund sei der Dialog nicht leicht. Prof. Sejdini würdigte „die großen Schritte“  der katholischen Kirche, mit denen sie auf die Muslime zugegangen sei. Habe Petrus Canisius damals noch von echten Christen verlangt, die Lehre der Muslime als „schädliche Pest“ zu meiden, nähre die Dialogbereitschaft der katholischen Kirche heute in ihm die Hoffnung, dass auch der Islam einmal zu ähnlichen Schritten bereit sei.

Religiöse Vielfalt gehört zum Islam
Dass die religiöse Vielfalt zu den Fundamenten des Islam gehöre, betonte die islamische Religionswissenschafterin Dr. Fatima Cavis von der Universität Innsbruck. Entscheidungsfreiheit sei wesentlich für den Islam. Aus verschiedenen Zusammenhängen sei überliefert, dass auch der Prophet Mohammed selbst keinerlei Glaubenszwang ausübte, sondern an der Glaubensfreiheit etwa gegenüber den Juden in der Stadt Medina festhielt. Lars Müller-Marienburg betonte unter Hinweis auf die Stellung der Heiligen Schrift in der evangelischen Kirche den Wert der Freiheit für die evangelische Kirche – die Freiheit zu fragen, aber auch die große Freiheit von Autoritäten, die manchmal auch schwer auszuhalten sei. Für Mag. Elisabeth Reiter, Fachreferentin der Diözese Innsbruck für interreligiösen Dialog, ist im Dialog mit anderen Religionen das Vorbild Jesu wegweisend. Dies zeige sich etwa in der von der Bibel überlieferten Begegnung Jesu mit Zachäus (Lk, 19, 1-10), in der Jesus in seiner Zuwendung gesellschaftliche und religiöse Schranken überwinde.

Lebensfeindliche Denkmuster dekonstruieren
In ihrem Vortrag zu „Religionen zwischen Vertrauen und Gewissheit“ berichtete die katholische Religionspädagogin assoz. Prof. Dr. Martina Kraml (Universität Innsbruck) von ihren Erfahrungen im Rahmen ihrer Tätigkeit der interreligiösen Religionspädagogik. Selbstkritisch meint sie: „Ich habe erlebt, wie muslimische Menschen Vorleistungen in der Gesellschaft erbringen müssen, auf die skeptischen Mitglieder der Mehrheitsgesellschaft zugehen müssen, den ersten Schritt der Kommunikation machen müssen, die Großmut haben müssen, auf Anschuldigungen und Skepsis mit Gelassenheit zu reagieren“. In ihrem Vortrag erinnerte sie an die vielen Perikopen der Heiligen Schrift, die Jesus als einen zeigen, der „lebensfeindliche Denkmuster und Räume dekonstruiert, auch wenn sie in religiösen Gewändern daherkommen“. Und Prof. Kraml weiter: „Jesus macht deutlich, dass die Inanspruchnahme Gottes für die fundamentalistischen Zwecke der Menschen als Blasphemie, als Gotteslästerung, zu werten ist“.