Einen kurzweiligen, spannenden und höchst informativen Abend bescherte Univ. Prof. Dr. Roman Siebenrock den rund 70 Zuhörern/innen in Alten Landtagssaal in Bregenz mit seinem Vortrag zum Thema: „Zeugnis geben – warum und wie? Das Bildungswerk Bregenz (der ev. und kath. Gemeinden) sorgte für ein kleines aber feines Highlight in der Veranstaltungsreihe zum Kolumban-und-Gallus-Jubiläumsjahr 2010.

Mit den blutigen Terrorakten islamistischer „Märtyrer“ ist ein Begriff in die Schlagzeilen geraten und geistert - zwischen Faszination und Schrecken schillernd - in den Köpfen herum, der - wissenschaftlich betrachtet - als menschliches Urphänomen gilt. Märtyrer werden als Opfer von Gewalt begriffen, die – oft unter Qualen – wegen ihrer Überzeugung sterben und – meistens von der für sie relevanten Gruppe - in einem besonderen Gedächtnis geehrt werden. Auf diese Weise vergewissert man sich des eigenen Wahrheitsanspruches angesichts von Zweifeln und/oder Verfolgung. Es ist so ein elementares Phänomen „eines ambivalenten Knotens von Macht, Gewalt und (der Macht der) Ohnmächtigen“ und – gleich wichtig – immer auch ein „Zeugnis gegen die Staatsmacht für das Lebensrecht überhaupt“ sagt Siebenrock

 

die moenche von tibhirine  Im Kontext des Christlichen ist das „eigentlich ‚nur’ die Realisierung der Taufe“, in einer Weise allerdings, die Karl Rahner als „Supersakrament“ bezeichnete und damit meinte, dass die Passion Jesu Christi selber im Martyrium konkrete Wirklichkeit wird. Mit Edith Stein, Maximilian Kolbe besonders aber am Beispiel des 1996 im algerischen Tibherine mit seinen Trappistengefährten ermordeten Christian de Chergé (OSCO) werde konkret und offenbar, wie das Bekenntnis zu Glauben und Kirche als apokalyptisches Ringen der Mächte mit dem Einsatz für die Anderen und zwar gegen jeden Totalitätsanspruch einher geht. Wie politisch und spirituell die „Nachfolge des demütigen und armen Jesus Christus und die erlösende - radikal gewaltfreie - Liebe Gottes am Kreuz“ in der freien Entscheidung zusammengehen, wird in den Zeugnisgeschichten des 20. Jahrhunderts eindrücklich klar.

 

lampert_provikar_symbolbildIn der Shoa, den (Kultur)Revolutionen und Kriegen zeigen Frauen und Männer, wie das Gebot der Nächstenliebe durch seine Vergebungsbitte und sein Eintreten für Versöhnung – nach außen und innen - , den todbringenden Kreislauf der Gewalt aufbricht. Die Todesangst jener, die diesen Weg wählen, erweist die Anmutung des Heroischen als leeres Pathos. Siebenrock betonte die schon seit Thomas von Aquin begründete „Entkonfessionalisierung“ des Martyriums, was die Aufmerksamkeit der Kirche(n) und Christen damals wie heute besonders herausfordert, besagt es doch, dass auch Nichtchristen (wie z. B. Ghandi) ein „christliches“ Lebenszeugnis erbringen können.   (Walter Buder)

 

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Literaturhinweis: Christliches Martyrium. Worum es geht. topos-taschenbücher.Kevelaer 2009.

 

Von Walter Buder veröffentlicht am 06.07.2010

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