Die historischen Wurzeln des Bildes, das man vom Hl. Gebhard hat und die Quellen, aus denen die vielfältigen Traditionen um den Hl. Gebhard schöpfen, standen im Mittelpunkt eines interessanten Vortrages, den das Bildungswerk Bregenz im Rahmen der Gebhardswoche angeboten hatte.
Eine ansehnliche Zahl von über 80 aufmerksamen Interessierten waren zusammen gekommen und folgten den Ausführungen des jungen, in Wien studierenden Historikers und Betriebswirts Philipp Dörler, der – wie der Hl. Gebhard – ein Bregenzer ist.
Im Saal des Burgrestaurants Gebhardsberg mussten die Sitzgelegenheiten noch rasch vermehrt werden. Man hatte nicht mit solchem Andrang gerechnet. Dörler hat die in Latein abgefasste Gebhards-Vita in den letzten Monaten in Deutsche übersetzt. Im Rahmen dieser Arbeit ist er auf den wesentlichen Stoff zu seinem Vortrag gekommen.
Die alljährliche Gebhardswoche um den 27. August (Gebhards Todesstag im Jahr 995) versammelt Pilgerinnen und Pilger aus dem gesamten Bodenseeraum zu Gottesdiensten in der Kirche auf dem – neben dem Pfänder - Bregenzer „Hausberg“. Über 80 Personen folgten dem jungen Referenten in seiner Analyse und Deutung der frühmittelalterlichen Texte. Sie sind an Daten und Fakten im Sinne historischer Forschung nicht interessiert, sondern haben hagiographische Intentionen, also die Absicht, eine Person – sprich: den Hl. Gebhard - als Vorbild zu charakterisieren, als und verehrungswürdigen und in seinem Tun und Lassen nachahmenswerten Heiligen. Dörler bot einen konzentrierten Blick auf die sehr dünne Datenlage und erschloss der aufmerksamen Zuhörerschaft die zwar fragmentarische aber einleuchtende Skizze eines tatkräftigen, wohl auch sozialen Bischofs, immer auch verstrickt in die (kirchen- und machtpolitischen Konstellationen der damligen Zeit. Die Absicht der Verfasser der Vita Gebhardis, die erst rund 200 Jahre nach dem Tod des Heiligen entstanden ist, rückte damit ins Zentrum der Aufmerksamkeit und erhellte, dass - was damals literarisch inszeniert worden ist - vor allem am Fortbestand des Klosters und der Mehrung der Bedeutung des Gründers interessiert war. Denn das versprach Zukunft und das heißt: Macht und Geltung, die in Kirchenkreisen – damals wie heute – immer auch an der Intensität der Pilgerbewegungen messbar ist. Man fand sich mit einem Mal an der Quelle, wo die Gebhardsverehrung sprudelte und die Verehrungstradition ihren Anfang nimmt.
Das Gedächtnis an den auf hier (auf dem Gebhardsberg oder in der Burg in der Oberstadt) um 945 geborenen Adeligen und späteren Bischof von Konstanz ist in Bregenz seit der Mitte des 17. Jahrhunderts nachweisbar und hat sich im Lauf der Zeiten zu einer – wenn auch nicht massenhaften, aber doch nach wie vor lebendigen Tradition - entwickelt. Der Pfarrer von St. Gallus in Bregenz, Msgr. Anton Bereuter, ist seit Jahren schon aufmerksamer Hüter dieser Tradtition, kümmert sich um ihren Fortbestand und betreut die Gebhardspilgerinnen und –pilger geradeso aufmerksam und liebevoll wie er ein Auge auf die Kirche auf dem Gebhardsberg hat, deren Turm im Moment einer Renovierung unterzogen werden muss.
Im anschließenden, regen Gedankenaustausch standen nicht nur historische Details in Frage, sondern auch die möglicherweise heilsame Wirkung des Heiligen in Geist und Sinn des christlichen Glaubens. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der gynäkologischen Station des LKH Bregenz (7 Hebammen und 7 Ärzte) waren mit ihrem Chef, Primarius Dr. Hans Concin, auch bei Dörlers Vortrag. Der Primarius erinnerte in seinem Gesprächsbeitrag an die spezielle Patronanz des Heiligen Gebhard, der einer alten Tradition gemäß „für eine gute Geburt“ angerufen wird und erwähnte in diesem Zusammenhang, dass in den letzten rund 28 Jahren, in denen er im LKH Bregenz arbeite, keine einzige Mutter bei einer Geburt verstorben sei. Das „gebe ihm ein gutes Gefühl“ sagte der Arzt, gerade angesichts der internationalen Statistiken, die für den „Supergau der Geburtshilfe“ trotz der inzwischen natürlich hochentwickelten und –technisierten Geburtshilfe immer noch eine (1) tote Mutter auf 10.000 Geburten ausweise.
Philipp Dörlers historisch-kritischer Vortrag zur Gebhardstradtion fügte sich gut in den Rahmen der Veranstaltungen der Gebhardswoche 2010. Sein Blick in die Geschichte hat dem Gedächtnis des Hl. Gebhard einen aktuellen Glaubensimpuls und dem Gebhardsgedenken in Bregenz durchaus angemessenen Impuls vermittelt.
Eindrücke vom Vortrag und der Plenumsdiskussion finden Sie in der Bildergalerie rechts oben.
_Walter Buder
Von Walter Buder veröffentlicht am 06.09.2010

