Dem weiten und offenen Themenfeld des "Wortes" und seiner Bedeutung für ein gutes, menschliches Leben widmeten sich Äbtissin Hildegard Brem (Theologin, Philosophin, Mathematikerin) vom Kloster Gwiggen und Prof. DDr. mult. Alfried Längle. Dabei erkundeten sie Grenzen und Brücken zwischen Psychologie und Theologie in Bezug auf das, was wir gemeinhin die Seele nennen und machten auf Übergänge in die spirituelle, geistliche Lebenspraxis aufmerksam.

 

Der Kraft des Wortes im Leben der Menschen war die für heuer letzte Veranstaltung des Bildungswerkes Bregenz gewidmet. Es ging um das kleine biblische Logion, das auch als Gebetsritual im Kontext der Eucharistie einen Platz hat: "...sppich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund."  Ein spiritueller Impuls im Rahmen und im inhaltlich-pastoralen Zusammenhang des Kolumban & Gallus – Jubiläumsjahres sollte damit verbunden sein, wofür Dr. Alfried Längle und Dr. Hildegard Brem, Äbtissin des Klosters Gwiggen, ganz eindeutig standen. Der „Alte Landtagssaal“ im Bregenzer Hypo-Gebäude bot den Rahmen für das abendliche Bildungswerk-Gespräch, das die meisten Teilnehmer/innen bedächtig stimmte und für manche auch als vorgreifende Einstimmung auf kommende, ruhigere und bedachtsame Herbsttage gelten konnten.

Die Äbtissin eröffnete – Ladies first (!) - den Abend mit ihrem inhaltlichen Statement und schilderte die Bedeutung des „Wortes“ in ihrem Leben. Ihre Begeisterung über die Macht und Kraft des Wortes Gottes, deren Erfahrung Anfang und Beginn ihres geistlichen Werdeganges entscheidend mitbestimmen, sind immer noch spürbar. Mutter Hildegard hat Philosophie und Mathematik studiert und in ihrer geistlichen Praxis durchaus problem- genauer: lösungsorientiert unterwegs. Zentral und unverzichtbar für das geistlichen Leben des Alltags ist das stete Bemühen, das Wort Gottes ins Leben einzulassen, Acht zu haben, dass es in die Seele durchdringen und sich so ins Leben hinein entfalten kann.

Die reiche und vielfältige Erfahrung des Arztes, Psychologen und vor allem des Therapeuten Alfried Längle spiegelte sich in seinen Beiträgen und Statements. Sinn zu finden, Sinn zu suchen und zu einer lebendigen Ganzheit von Seele, Leib und Geist zu finden, darin erkennt der Logotherapeut in der Schule des großen Viktor Frankl die entscheidende Lebensaufgabe, in der die Kraft und Macht des Wortes der Menschen wie jene des Wortes Gottes eine ganz besondere Rolle einnehmen. Dr. Längle gelang es ganz hervorragend, den Horizont für die Bedeutsamkeit des Wortes und seiner heilenden Kraft zu eröffnen und auch zu weiten.

Die Zuhörer/innen ihrerseits sparten nicht mit ihren eigenen Erfahrungen mit der heilsamen Kraft des Wortes, auch des Wortes Gottes. Heilung aus Leid und Not ist durch das Wort erfahren und erlebt worden, aber auch die unstillbare und ständige Sehnsucht, nach einem guten, heilenden Wort, das in manchem Leben sehr schmerzhaft abgeht und fehlt, kam zur Sprache.

Dr. Karl Dörler dankte dem Publikum für seine Offenheit und das engagierte, aufmerksame Zuhören und den Referenten für ihre Klarheit und Deutlichkeit in der Sache, aber auch für ihre Einfühlsamkeit in das Thema, das großes Interesse gefunden hat. _wb


Von Walter Buder veröffentlicht am 22.10.2010

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