Am 19. März 2011 fand die Jahrestagung der Vorarlberger BiliothekarInnen in Batschuns statt. 230 Frauen und Männer aus 68 Vorarlberger Öffentlichen Bibliotheken nahmen daran teil.
Thema der Fachtagung:
"Lesebrücken bauen" – Arbeit in Kinder- und Jugendbibliotheken
Wissenschaftlichen Studien zufolge kommt es gerade bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu einem sogenannten „Leseknick“, das Interesse am Lesen geht in dieser Lebensphase oft gegen Null.
Um diesem Trend entgegen zu wirken, ist es notwendig, schon im Kleinstkindalter entsprechende Maßnahmen zu setzen.
Dass man sich gerade in den Vorarlberger Bibliotheken dieser Herausforderung stellt, lässt sich anhand der zahlreichen Veranstaltungen belegen, die von den engagierten – zum großen Teil ehrenamtlich arbeitenden – BibliothekarInnen organisiert werden. Erwachsene, Jugendliche, Kinder: Eltern mit Kleinkindern, Grund-, Haupt- und Mittelschüler, Lehrlinge, alle sollen damit zum Lesen und Lauschen motiviert werden.
Zur Batschunser Fachtagung waren zum Thema „Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in Bibliotheken und der Rolle, die dabei den Erwachsenen zukommt“ zwei Referentinnen aus Hamburg und Stuttgart eingeladen.
Frau Mareike Lappat stellte die in Hamburg vor fünf Jahren gegründete Jugendbibliothek Hoeb4U vor, eine Bibliothek von Jugendlichen für Jugendliche. Nahezu selbständig arbeiten hier Auszubildende (Lehrlinge) in der Bibliothek. Sie tragen so weit wie möglich die Verantwortung für Medien, Verleih, Programm, Durchführung für Events, ebenso für die Einteilung des Personals und die Einhaltung der Öffnungszeiten. Begleitet werden sie in ihrer Arbeit von erfahrenen Hamburger BibliothekarInnen. Dass das Konzept sehr erfolgreich ist, lässt sich allein anhand der in den letzten fünf Jahren enorm gestiegenen Besucher- und Entlehnungszahlen ablesen.
Link: Jugenbibliotheken Hamburg
Frau Karin Rösler aus Stuttgart, Koordinatorin der Kinderbibliotheksarbeit des Stuttgarter Stadtbüchereisystems, stellte nicht nur die neu gebaute und bald bezugsfertige neue Stuttgarter Stadt-(Kinder-)bibliothek vor, sondern sie begeisterte vor allem durch praxisnahe Beispiele in der Arbeit mit Kindern und Erwachsenen zur Motivation zum Lesen- und Vorlesen. Eines der Projekte nennt sich „Leseohren“, das unter Motto „Vor dem Lesen steht das VOR-lesen“, entwickelt wurde. Es wurden „Lesepaten“, Erwachsene, aus verschiedensten Sprachkulturen gesucht – und gefunden – die Kindern in Kleinstgruppen vorlesen wollten und wollen. Dabei wird nicht nur gelesen, sondern die Kinder üben sich mit dem Lesepaten sozusagen auf das Zuhören ein. Mit Spielen, Singen, Trampeln – Ohren massieren wird die Aufnahmefähigkeit erhöht. Anhand von einigen gezeigten Fotos während des Referats, war zu erkennen, wie erfolgreich Kinder zum zuhören (und später zum selber lesen) werden motiviert können. www.leseohren-aufgeklappt.de
Lesung - Musik - Gottesdienst - Kulinarisches
Abgerundet wurden die Fachvorträge durch die Lesung des Vorarlberger Autors Rainer Juriatti, der aus seinem neuesten Roman „Die gedehnte Zeit“ las und dabei musikalisch von Emil Salzmann auf dem Fagott begleitet wurde. Text, Musik und die intensive Vorlesekunst des Autors waren beeindruckend und ließen ein ergriffenes Publikum zurück.
Nach einer stimmungsvollen Abendmesse und den schönen und treffenden Worten von Pfarrer Willi Schwärzler, fand die Tagung beim gemeinsamen Abendessen einen feinen kulinarischen Ausklang.
TeilnehmerInnen und Gäste der Fachtagung
Mit 230 Anmeldungen aus 68 Vorarlberger Öffentlichen Bibliotheken war auch dieses Jahr die Fachtagung wieder äußerst gut besucht.
Begrüßt wurden die TeilnehmerInnen der Fachtagung, die gemeinsam von der diözesanen Bibliotheksfachstelle, dem Bibliotheksverband Vorarlbergs und der Landesbüchereistelle organisiert wurde, von Wolfgang Rohner, dem Vorsitzenden des Vorarlberger Büchereiverbands, von Mag. Gabriela Dür vom Amt der Vorarlberger Landesregierung, von Dr. Walter Schmolly, dem Leiter des Pastoralamts der Diözese Feldkirch, von Prof. Magda Pisarek als Vertreterin des Bibliotheksverbands Österreichs aus Wien, von Dr. Reinhard Ehgartner vom Österreichischen Bibliothekswerk aus Salzburg und von Frau Mag. Barbara Allgäuer-Wörter von der Landesbüchereistelle. Außerdem wurde die Tagung heuer von Dr. Silvia Adamek und Dr. Reinhold Hohengartner von der Abteilung für Kulturförderung des BMfUKK besucht.
Ehrung
Ein besonderes Ereignis bei der diesjährigen Fachtagung war die Ehrung und der Abschied von Agnes Spalt, die 44 Jahre als ehrenamtliche Bibliothekarin und Bibliotheksleiterin tätig gewesen war. Ihr dankte Dr. Walter Schmolly im Namen der Diözese Feldkirch und überreichte ihr eine Ehrenurkunde. Ebenso wurde auch Wolfgang Rohner mit einem Geschenk bedacht, der sein Amt als Obmann des BVV nach 12 Jahren zurück legt.
Generalversammlung des Bibliotheksverbands Vorarlbergs (BVV) und die Wahl eines neuen Vorstandes
Bei der am selben Tag stattfindenden Generalversammlung des BVV wurde ein neuer Vorstand gewählt, für den scheidenden Obmann Wolfgang Rohner übernimmt Dr. Ulrike Unterthurner von der Stadtbücherei Dornbirn das Amt, die Nachfolgerin der scheidenden Kassierin Agnes Spalt ist Klaudia Büchel von der Walserbibliothek Raggal.
Eva-Maria Hesche
Von Marianne Springer veröffentlicht am 29.03.2011

