Die Götznerin Teresa Bell (27) ging im August 2016 fünf Wochen lang auf Lernreise nach Ghana. Überwältigt von ihren Erfahrungen schildert sie ihre unvergessliche Zeit in Afrika. Organisiert werden die Lernreisen von der Dreikönigsaktion, bei denen man die Lebensrealität der Menschen hautnah erfahren kann und die Projekte der DKA kennenlernt.

Wie fing alles an?

Nach zwei Vorbereitungsseminaren, in denen wir Organisatorisches klärten, über unser Reiseland informiert wurden und uns als Gruppe kennenlernen konnten, sowie nach einigen Impfungen begann für mich und meine acht Mitreisenden das Abenteuer Ghana.

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Das Ankommen in Ghana: Überwältigung & Faszination.

Mit der Landung in der Hauptstadt Accra im Süden, direkt am Atlantik, tauchten wir in eine für uns neue und unbekannte Welt ein. Die Stadt – Herzstück Ghanas lebt vom Geschäft und Wachstum, vom modernen Einfluss, dem Verkehr und der Lautstärke, aber vor allem lebt sie durch die vielen Menschen jeden Alters. Einige von ihnen verkaufen in Behältern, hauptsächlich auf dem Kopf tragend, neben frischem Obst, auch Tücher, Klopapier und Handys. Andere sitzen einfach nur zusammen, kochen oder arbeiten neben den Straßen. Diese ersten Eindrücke überwältigten mich schon sehr und ich war fasziniert von den Menschen, der Kultur und dem Land.

Die Reise: Einander schätzen & lieben lernen. Kulturen erleben.

Nach wenigen Tagen in und rund um die Hauptstadt ging es dann für uns mit dem Bus 800 km weiter in den ärmeren Norden - in die 400.000 Einwohner-Stadt Tamale. Man sagt, dass die Bevölkerung dort etwa 80 Jahre weiter hinten ist, als im Süden Ghanas. Im dortigen TICCS-Institut für interkulturelles Lernen hielten wir uns etwa drei Wochen auf. In dieser Zeit erhielten wir durch zahlreiche Vorträge viele Informationen über Kultur, Religion und Lebensgewohnheiten der Leute in Ghana. Außerdem standen Ausflüge in Nationalparks, zu Kakaofarmen, auf Märkte, in öffentliche und private Schulen, in ein Krankenhaus, zum Bischof, zum Bürgermeister und sogar zu einem Wahrsager am Programm. In dieser intensiven Lernphase habe ich begonnen Stück für Stück die Eindrücke von Ghana einzuordnen, diese zu verstehen, zu reflektieren und auch zu akzeptieren.  Als Gruppe sind wir in Tamale sehr nahe gerückt und haben viel miteinander gesprochen, uns kennengelernt, uns gegenseitig unterstützt, Werte, Erfahrungen und Meinungen ausgetauscht sowie auch herzhaft gelacht und uns so schätzen und lieben gelernt.

Theresa BellHöhepunkt: In Dörfern „ausgesetzt“. Teil ihres alltäglichen Lebens sein.

Höhepunkt unserer Lernreise waren dann aber die letzten fünf Tage, in denen wir jeweils zu zweit in verschiedenen kleinen Dörfern „ausgesetzt“ wurden.  Mit einer Mitreisenden lebte ich fast eine Woche lang unter einfachsten Verhältnissen. Zum Beispiel hatten wir kein fließendes Wasser bei den Menschen in Malshegu. Wir erlebten hautnah, wie die Menschen den Alltag meistern. Männer und Kinder arbeiten mit einfachen Werkzeugen auf den Feldern. Frauen und junge Mädchen produzieren Sheabutter, ein Grundprodukt der Salben- und Kosmetikindustrie. In der Familie übernehmen die älteren Kinder selbstverständlich Verantwortung für die jüngeren Geschwister. Im Hof brennt immer ein Feuer mit Essen für die meist zahlreichen Familienmitglieder. Teil ihres alltäglichen Lebens sein zu können, mit ihnen über ihr Leben, Wünsche und Sichtweisen zu reden, mit ihnen zu arbeiten und zu essen, ihre Gemeinschaft und den Zusammenhalt zu erleben, war für mich eine ganz besondere und herausfordernde Erfahrung.

Rückkehr: Neue Sichtweise auf unser westliches Konsumverhalten. Unendliche Dankbarkeit.

Nach fünf Wochen kehrte ich von einer unvergesslichen Reise zurück mit großartigen Eindrücken und wunderbaren Begegnungen. Ich lernte viele freundliche Menschen kennen und schätzen, die unter schwierigsten Bedingungen leben und arbeiten und für ihre Mitmenschen einen unglaublichen Einsatz leisten. Die Menschen in Ghana sind stolz auf ihr Land, aber viele wünschen sich für ihre Kinder mehr Bildung und eine bessere Zukunft. TV, Handy und Internet sind überall präsent und vermitteln einen Blick auf ein vermeintliches Paradies im Westen. Ich habe unseren Müll – Kleidung, Schuhe, Kühlschränke, Autos, TV-Geräte und Computer – in Ghana wiedergefunden. Ich war als „Weiße“ eine Minderheit, kam mit einem anderen Wertekontext und sozialen Hintergrund in ihr Land und konnte bis zum Ende nur einzelne Wörter in der Landessprache. Mich haben diese Eindrücke sehr geprägt und mir neue Sichtweise auf unser westliches Konsumverhalten, auf Migration, Flüchtlingshilfe und Toleranz, gegeben. Jedoch bis heute am meisten berührt haben mich die Kinder, ihre ehrlichen, großen, leuchtenden und interessierten Augen, ihre Freiheit und Unbeschwertheit, ihre Gelassenheit und die Tiefe die sie ausstrahlten. Mit ihnen habe ich am meisten erfahren, gelernt und mich selber gefunden. Immer wenn ich auf mein Abenteuer zurückblicke spüre ich eine unendliche Dankbarkeit.

Du willst auch?

Es werden jährlich von der österreichischen Dreikönigsaktion verschiedene Lernreisen angeboten. Wer Interesse daran hat – alle Infos gibt‘s auf der Internetseite www.lerneinsatz.at oder unter susanne.schaudy@junge-kirche-vorarlberg.at

Was ist der LernEinsatz?

  • Reise
  • komplett organisiert von der Dreikönigsaktion
  • Gruppenreise: 8-12 Personen
  • für alle ab 20 Jahren
  • Religion: egal
  • Länder: Ghana (Juli oder August 2018) oder Philippinen (Juli 2018)
  • Zeitraum: 1 Monat
  • Ziel: Lebensrealitäten & DKA-Partnerprojekte kennenlernen
  • Kosten: zwischen € 1.500 - € 2.200 (all inclusive)
  • www.lerneinsatz.at