Oh Gott, ja ich glaube!
Viel lieber würde ich meinen Glauben zeigen. Der Blick auf den Glauben, den wir tun, woher kommt er denn? Kommt er nicht von ganz innen, so ist er exzentrisch, liegt also am Rand. Wer aber will einen Glauben, der nur Rand ist? Liegt heute nicht irgendwie alles draußen? Kehren wir nicht alles von innen weg, vor allem unser Innerstes, damit es dann nicht mehr bei uns ist? Was ich sagen kann ist, dass ich in stetiger Zerrissenheit und Verzweiflung glaube. Ich habe es satt, meinen Glauben rechtfertigen zu müssen, weil zu Religionsthemen eine solche Oberflächlichkeit herrscht, die nur Schlagworte wie „Ablasshandel“ und „Kreuzzüge“ zulässt. Viel lieber würde ich meinen Glauben zeigen und somit nie wieder sagen müssen: Das hat doch mit mir nichts zu tun!
Nicht immer einfach. Es ist nicht immer einfach, Teil dieser Kirche zu sein. Aber ich hab etwas mit ihr zu tun und deshalb versuche ich, mich immer selbst zuerst ins Kreuzverhör zu nehmen: Auch ich habe in Situationen geschwiegen in denen ich reden hätte müssen, und zwar öfters, als es ein gutes Gewissen ertragen könnte. Diese Erkenntnis bringt mich dann aber zu etwas unglaublich Wundervollem, das mich sehen lässt, dass ich mit dieser Zerrissenheit nicht allein dastehe! Doch was wäre, wenn ich nun doch alleine bin? Heute schreit ja die ganze Welt von den Dächern, dass wir so was von individuell sind und sein sollten, am besten jeder für sich, lauter traurige Einzelstücke. Das tut doch weh! Und gerade Jugendliche und junge Erwachsen sind die Alleingelassenen dieser Zeit.
Irgendwo zwischen selbstgezimmerten Computerwelten und mit fragenden Träumen gefüllten Nächten bleiben die Antworten auf der Strecke, die vor allem wir jungen Menschen so bitter nötig hätten. Jugendliche brauchen Jugendliche, brauchen eine Gemeinschaft, die sie dort abholt, wo sie mit ihren Glaubensfragen sind. Das Out of Time-Projekt ist eine solche Möglichkeit, ist ein solcher Weg.
Es ist die Liebe. Wir erschaffen uns nicht selber, nur unsere vielen Gesichter. Ich kenne meine Masken, was mir die Suche nach meinem Selbst nicht erleichtert. Was ich aber weiß, ist, dass ich innen sein will und nicht ein Exzentriker, der ohne seine Mitmenschen, ja sogar ohne sich selbst lebt. Oh Gott, ja, ich glaube! Und genau deshalb will ich mich nicht mehr kritisierend, ohne dass ich mein Innerstes, meine Liebe mitgenommen hätte, auf den Weg machen. Denn es ist diese Liebe, die sich der Peripherie entzieht. Sie ist in uns, nicht außer uns! Es gibt da diese auffordernde Kraft, die unentwegt zu sagen scheint: Bleib nicht so wie du bist, sondern werde bewegt!
Drum sollten solche Zeilen eigentlich nicht geschrieben, sondern gelebt werden.
Das schicke Armband „have a little faith” ist bei der Jungen Kirche, Bahnhofstr.13, Feldkirch, T. 05522-3485-127 oder unter cornelia.wastl@kath-kirche-vorarlberg.at erhältlich, und gleichzeitig Symbol der KirchenBlatt-Serie.
Was ist Out of Time?
Out of Time ist ein sich aktuell entwickelndes Projekt der Jungen Kirche, es will eine anziehende Gemeinschaft sein und ein tatsächlicher Pol bei den Jugendlichen. Hier geht es um Tun und Leben, um Erleben. Jugendliche brauchen Raum und Zeit und jemanden, der ihre Zugänge zu Spiritualität ernst nimmt. Maßgebend ist, dass Glaube so erfahrbar wird, dass er wirklich den Jugendlichen selber gehören kann.Wir wollen nicht in erster Linie Kirchenräume mit jungen Menschen füllen. Vielmehr wollen wir, dass sich die Jugendlichen selber erfüllen, mit dem was sie mitbringen, zusammentragen und in Gemeinsamkeit erleben dürfen.
Eine zentrale Frage, die Out of Time aufwirft ist „Was geht mich das an?“. Glauben betrifft uns alle in unterschiedlichsten Formen, Jugendliche jedoch besonders, weil ihre Lebensphase schon eine besondere ist. Gemeinsam soll es nicht um bloße Gestaltung gehen, sondern auch um Lebendigkeit, um ein Erleben der Glaubensbeziehung in einem Zueinander, einem Miteinander und vor allem in einem Füreinander, in einer Welt, wo Orientierungslosigkeit Programm ist. Die Jugendzeit ist extrem auf den Augenblick bezogen. Sie versucht, der Kirche einen Touch Außergewöhnlichkeit zu verleihen. Das ist die Art und infolge auch die Sprache junger Menschen, die dieses Projekt auch fließend sprechen will.
Out of Time ist ein offener Raum und unser neuer Jugendseelsorger Dominik Toplek (ab September 2009) und ein Projektteam sind Begleiter und Ansprechpersonen für neue Formen von Liturgie. Wir freuen uns auf diese Aufgabe!
Von Daniel Furxer veröffentlicht am 28.04.2009
