Was hingegen die Zeit im tiefsten Sinne braucht – das lässt sich mit einem einzigen Wort erschöpfend sagen, sie braucht: Ewigkeit...

Was hat ein dänischer Denker des frühen 19. Jahrhunderts in den Augenblicken des Jetzt verloren? In aller Kürze lässt sich sagen, dass gestern auch schon Zeit war und ebenfalls so zeitlich war die Zeit vor gestern.
Im Essayband Der Einzelne und sein Gott lässt Sören Kierkegaard, Theologe, Philosoph und Suchender, seine Leser über folgende Zeilen stolpern:

„Nur ein Wort noch; man möge es mir gestatten. Was die Zeit fordert – ja, wer möchte wohl damit fertig werden es aufzuzählen, jetzt, da durch eine Selbstentzündung, deren Ursache und Anlass der Weltlichkeit weltliches Sichreiben an Weltlichkeit gewesen ist, die Weltlichkeit Feuer gefangen hat.
Was hingegen die Zeit im tiefsten Sinne braucht – das lässt sich mit einem einzigen Wort erschöpfend sagen, sie braucht: Ewigkeit. Das Unglück unserer Zeit ist gerade, dass sie nur „Zeit“ allein geworden ist, Zeitlichkeit, die ungeduldig nichts von der Ewigkeit hören will, dazu, wohlmeinend oder rasend, mit einer erkünstelten Nachahmung das Ewige ganz und gar überflüssig machen möchte, was doch in alle Ewigkeit nicht gelingen wird; denn je mehr man meint auf das Ewige verzichten zu können, um so mehr bedarf man im Grunde dieses Ewigen.“

Wie sensibel muss dieser Mensch gewesen sein, in der damaligen Zeit schon eine Ungeduldigkeit der bloßen Zeitlichkeit zu verorten? Was heute Alltag ist, hätte Kierkegaard wohl mit einem halben Atemzug zu Boden gestreckt.
Alles Greifbare, alles Feststellbare kommt und geht. Ganz so wie Sekunden und Minuten kommen und gehen. Tage ziehen oft an uns vorüber, ohne, dass wir sie gespürt haben.
Und trotzdem meinen wir, uns nur an Greifbarem festhalten zu können, weil man da greifen kann... kann man da aber auch begreifen?

Was hingegen die Zeit im tiefsten Sinne braucht ist Ewigkeit.

Was für ein Moment oder Impuls oder Gespür oder Fühler oder „Wie-auch-immer“ bleibt? Was ist und wird nicht? Was finden wir nur in uns drin und trotzdem sind wir in ihm? Verleiht uns die Zeit Gänsehaut oder ist es etwas unfassbares, was man Zeitlosigkeit nennen könnte... oder kann man das überhaupt benennen?

Beschäftigen wir uns mit solchen Fragen?
Beschäftigen wir uns außerhalb der Zeit?

Von Johannes Lampert veröffentlicht am 20.04.2010

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