Die letzten Luftschlangen des Faschings, die mit den Palmzweige des vergangenen Jahres verglimmen und Gedanken an die bevorstehende Fastenzeit, standen im Zentrum des Aschenrituals, das Bischof Benno Elbs traditionellerweise am Bregenzer Leutbühel feierte. Daran anschließend waren alle zum Fastensuppenessen der katholischen Frauenbewegung im Landhaus eingeladen.

"Bedenke Mensch, dass du Staub bist", heißt es am Aschermittwoch. Die Worte erinnern an Vergänglichkeit und die Nichtigkeit vieler Dinge, die oftmals groß erscheinen.  Ein Umdenken beziehungsweise in Neuordnen der Prioritäten steht dann auch als große, allzeit gültige Überschrift über der gesamten Fastenzeit, in der heuer ein Schwerpunkt zum "Jahr der Barmherzigkeit" gesetzt wird.

Wie sehr die Fastenzeit auch heute noch von vielen ganz bewusst als eine Zeit des Innehaltens, des Unterbrechens gestaltet wird, zeigte sich auch an den vielen Frauen und Männern, die sich zum bereits traditionellen Aschenritual auf dem Bregenzer Leutbühel einfanden.

Einladung: hörende Menschen zu werden

Wir brauchen ein hörendes Herz, das uns hilft, die leisen Zwischentöne und Klänge der Aschenfeier und der Fastenzeit bewusst wahrzunehmen. Das machten Schüler der 2. Klasse der Berufsschule Bregenz und ihre Lehrerin Christine Fischer beim Aschenritual vor der Seekapelle deutlich:

„Eine Flut an Information hindert uns daran, bewusst hinzuhören.“ – „Viele laute Geräusche und ohrenbetäubender Lärmmachen es unmöglich, aufmerksam zuzuhören.“ – „Grausame Worte, Lügen und Beleidigungen führen dazu, dass wir nichts mehr hören wollen.“ – „Stress, Ungeduld und mangelnde Zeit nehmen uns die Möglichkeit, das Wohltuende zu hören.“ Die Zettel mit diesen Überschriften zerknüllten die Schüler und warfen sind ins lodernde Feuer.

Es gibt viele Dinge die das hörende Herz zuschütten, betonte auch Bischof Benno Elbs in seiner Ansprache: „Die lauten Geräusche, grausame Worte, Beleidigung, Stress, mangelnde Zeit, die uns daran hindern, auf das zu hören, was im Leben wichtig ist.“ Die Fastenzeit ist eine Einladung, hörende Menschen zu werden: Auf die Not, die uns umgibt und auf die Fragen, die uns die Welt stellt. Hörende Menschen aber auch auf die Frage nach den tiefen Sinn unseres Lebens, unseres Auftrags für die Welt.

Musikalische wurde die Feier von Verena Zeisler und den SchülerInnen der 2a-Klasse der Musikmittelschule Bregenz-Stadt unter der Leitung von Wolfgang Schwendinger mitgestaltet.

Mit Jakob durch die Fastenzeit

"Wo kämen wir hin, wenn das jeder täte", diese Frage führt hin zur diesjährigen "Halt amol"-Fastenaktion der Katholischen Kirche Vorarlberg. Die Barmherzigkeit als ein Ausdruck der bedingungslosen Liebe, die nicht danach fragt, ob das Gegenüber dieser Liebe würdig ist, bildet dabei das Zentrum. Und die Frage ist berechtigt, wo kämen wir hin, wenn jeder seinen Nächsten bedingungslos lieben würde? Das Gedankenexperiment ist reizvoll und kann die nächsten 40 Fastentage jedes Mal aufs Neue versucht werden. Ausgangspunkt für diese Gedanken zur Barmherzigkeit ist die biblische Jakobsgeschichte. Nichts im Leben des Jakob läuft so, wie man es für richtig halten würde. Und trotzdem lässt Gott ihn nicht fallen. Eine schöne Erfahrung, die Schauspieler des Vorarlberger Landestheaters für die Aktion aufgenommen haben und die es nun im USB-Stick-Format nachzuhören gibt - tägliche Impulse per Mail inklusive (Die USB-Sticks können über die Medienstelle der Diözese bestellt werden. Für den täglichen Impuls kann man sich unter www.haltamol.at anmelden).

Teilen spendet Zukunft

Im Anschluss an das Aschenritual am Leutbühel und in der Bregenzer Seekapelle fand das traditionelle Suppenessen der Katholischen Frauenbewegung (kfb) im Landhaus statt. "Wirtschaft FAIRändern - Solidarisch Leben" lautet dabei das diesjährige Motto der Aktion Familienfasttag, das sich vor allem um die Gerechtigkeit unter den Geschlechtern drehte. Die Filipina Yuen Abada berichtete dabei von ihren persönlichen Erfahrungen mit der (Un)Gleichheit von Frauen und Männern in ihrer Heimat. 

Gerechtere Verteilung des Budgets

Die Philippinen sind noch aus Zeiten der korrupten Marcos-Diktatur hoch verschuldet. So wird ein großer Teil des Staatsbudgets zur Schuldentilgung verwendet. Zudem fließt einiges an Geld in zweifelhafte Bauwerke.
In der FDC, einer Koalition für eine öffentliche Entschuldung, haben sich NGOs, Orden, wissenschaftliche Institute, Gewerkschaften und Verbände zusammengetan, um hier bessere Verhältnisse zu schaffen. Die Aktivist/innen bringen ihr Anliegen und ihr Wissen in die Öffentlichkeit: über friedliche Kundgebungen, Schulungen, intensive Medienarbeit und Gespräche mit Betroffenen und Verantwortlichen. Eines ihrer Ziele besteht darin, bei der Verteilung des Budgets mitzureden - Stichwort „Gender-Budgeting“ - damit Gesundheit, Soziales und Bildung nicht ständig zu kurz kommen. So gilt es beharrlich nachzufragen, wer die Gewinner bzw. Verlierer von Staatsinvestitionen sind.

Weitere Informationen unter: www.teilen.at